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MVZ-Praxismagazin April 2022

Gelenkerhalt durch

Gelenkerhalt durch Korrektur der Beinachse Artikel von Priv.-Doz. Dr. med. Philipp Minzlaff Leiter Sportorthopädie Krankenhaus Agatharied Die enorme Bedeutung unserer Kniegelenke wird uns oft erst bewusst, wenn die Funktion durch Erkrankungen und Schmerzen eingeschränkt oder nicht mehr gegeben ist. Fehlende Gelenkbeweglichkeit und wiederkehrender Schmerz bei Belastung kann unsere täglichen Aktivitätsgewohnheiten erheblich beeinträchtigen und zu einer verminderten Lebensqualität führen. Diese reichen von Limitierungen der Sportfähigkeit bis hin zum Verlust des Arbeitsplatzes. Ursache von Schmerzen und einer sich entwickelnden Arthrose (Gelenkverschleiß) im Kniegelenk sind oftmals Fehlstellungen im Bereich der Knochen. In diesen Fällen kann es sinnvoll sein, über eine Korrektur der Beinachse nachzudenken. So führen angeborene O- oder X-Beine, oder Achsenfehlstellungen nach einem Knochenbruch zu einer ungleichmässigen Belastung im Gelenk im Sinne einer Überlastung des Gelenkknorpels. Bei einem O-Bein kommt es zu einer Mehr-Belastung des Knorpels im Bereich der Innenseite des Kniegelenkes, hingegen bei einem X-Bein zu einer Mehr-Belastung der Außenseite. Um derartige Fehlstellungen zu erkennen ist eine genaue Bestimmung der Beinachse mit speziellen Röntgenaufnahmen notwendig, denn nicht immer sind Fehlstellungen von außen gut erkennbar (Abb. 1). Abb. 1: Pierre Michael „Litti“ Littbarski (* 16. April 1960), ehemaliger Fussball Nationalspieler der u.a. wegen seiner O-Beine bekannt war Die Korrektur wird durch die operative Durchtrennung des Knochens, in dem sich die Fehlstellung befindet, erreicht und als Umstellungsosteotomie bezeichnet (Abb. 2). Der Knochen kann dann entsprechend in einer korrigierten Form verheilen. Am häufigsten werden Umstellungsosteotomien nahe des Kniegelenkes am Schienbein (Tibia), am Oberschenkel (Femur) oder in Kombination von beiden durchgeführt.

Priv.-Doz. Dr. med. Philipp Minzlaff Facharzt für Unfallchirurgie & Orthopädie, Sportmedizin, zertifizierter Kniechirurg (DKG) und Instruktor für Arthroskopien (AGA) Mit einer Umstellungsosteotomie kann bei Achsfehlstellung die Mehrbelastung auf dem geschädigten Gelenkanteil vermindert werden. Hierdurch lässt sich meist eine weitgehende Schmerzfreiheit und eine Vermeidung bzw. ein deutliches „Hinausschieben“ einer Endoprothese erreichen. Abb. 2: Ganzbeinröntgen links mit rot eingezeichneter Belastungslinie die das Kniegelenk innenseitig schneidet, rechts korrigierte Beinachse mit neuer Belastungsachse (grün) und liegendem Plattenfixateur Die Umstellungsosteotomie ist keine Behandlungsmethode der letzten 10 oder 20 Jahre, sie wurde bereits vor über 100 Jahren durchgeführt. Sie wurden in den frühen 90er Jahren von den aufkommenden und dominierenden Knieendoprothesen zunehmend verdrängt haben aber durch die Entwicklung von neuen Operationsverfahren und Implantatsystemen zu Beginn des 21. Jahrhunderts eine Renaissance erlebt und inzwischen wieder weite Verbreitung gefunden und ihren festen Platz in der Behandlung von Arthrose, Knorpelschäden oder auch Bandverletzungen bei vorliegenden Fehlstellungen insbesondere im Bereich des Kniegelenkes. Winkelstabile Plattenfixateure, die die neue Knochenposition sichern erlauben heutzutage durch ihre hohe Stabilität und Sicherheit eine frühzeitige Belastung und Mobilität ohne einen Verlust der durchgeführten Korrektur. Das sportorthopädische Behandlungsziel ist eine möglichst schmerzfreie Gehfähigkeit, eine verbesserte Sport- und Belastungsfähigkeit sowie eine gute und stabile Gelenkfunktion. „Gelenkerhalt vor Gelenkersatz“ – hierbei sollte versucht werden, gerade beim jungen Patienten einen künstlichen Gelenkersatz ganz zu vermeiden oder diesen zumindest um Jahre hinauszuzögern. Die Osteotomie ist in der Regel nach 3-4 Monaten knöchern weitgehend verheilt, die Dauer der Arbeitsunfähigkeit beträgt im Durchschnitt 3 Monate. Welche Art von Sport nach der Operation sinnvoll ist und ab wann er wieder ausgeübt werden kann, muss individuell festgelegt werden. Langfristig kann in jedem Fall eine gute Sportfähigkeit und Mobilität erwartet werden – in der Regel wesentlich besser und schmerzärmer als zuvor. Die Osteotomie stellt keine Konkurrenz zur Teilprothese oder Vollprothese (künstliches Gelenk) dar. Denn beide Verfahren haben unterschiedliche Indikationen. Ein spezialisierter Kniechirurg kann hier genau beraten und die Operation entsprechend planen und durchführen. Bei Fragen kommen Sie doch einfach auf mich zu Ihr Dr. med. Philipp Minzlaff

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